«Spass am Lernen» dank dem Lernzeiten-Modell
«Lernzeiten statt Hausaufgaben» heisst das Konzept an der Volksschule Kriens. Eine breit abgestützte Untersuchung bei Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Eltern zeigt nun: Mit dem Modell sind die Kinder motivierter und haben (wieder) Spass am Lernen.
Keine Hausaufgaben mehr an Krienser Schulen. Diese Mitteilung sorgte vor drei Jahren für viele Fragen bei Schülerinnen und Schülern, deren Eltern und Lehrpersonen. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich: Die Hausaufgaben wurden nicht einfach gestrichen – es wurde ein neues «Lernzeiten-Modell» eingeführt. Statt dass Schülerinnen und Schüler zuhause vorwiegend alleine ihre Aufgaben erledigen, stehen in der Schule zwei Gefässe zur Verfügung:
- Lernzeit (Primarstufe): Pro Tag sind 30 Minuten Lernzeit (LZ) im Stundenplan eingeplant. Die Kinder arbeiten individuell an Aufgaben, können Unterrichtsstoff repetieren, vertiefen oder bei Bedarf offene Fragen mit der anwesenden Lehrperson klären. Inhalte, Tempo und Form der Unterstützung bestimmen die Kinder selbständig.
- Persönliche Lernzeit (Primar- und Sekundarstufe): Auch hier arbeiten Kinder selbständig an Aufgaben – allerdings basiert die Teilnahme hier auf Freiwilligkeit. Die persönliche Lernzeit findet ausserhalb der regulären Unterrichtszeiten auf Anmeldung statt – über Mittag, am Morgen früh oder nach dem Nachmittagsunterricht. Die persönliche Lernzeit dient beispielsweise dazu, verpassten Stoff nachzuholen, für eine Prüfung zu üben oder gemeinsam mit Mitschülerinnen und Mitschülern zu lernen.
In beiden Formen steht eine Lehrperson in dieser Zeit als Coach bei Bedarf zur Verfügung.
Lernen macht wieder Freude
Um konkrete Rückmeldungen für die Weiterentwicklung dieses Lernzeiten-Modells zu bekommen, hat die Volksschule Kriens eine gross angelegte Befragung durchgeführt. Alle drei Nutzergruppen – Schülerinnen und Schüler ab der 3. Primarklasse, deren Eltern sowie Lehrpersonen – wurden befragt. 1'500 haben geantwortet und sorgen damit für eine aufschlussreiche Entscheidungsgrundlage für weitere Entwicklungsschritte. Dabei waren die Rückmeldungen grossmehrheitlich positiv. Wichtigste Erkenntnis: Ganz offensichtlich profitieren Schülerinnen und Schüler vom neuen System, weil Ihnen das Lernen auf diesem Weg wieder mehr Spass macht.
Sie schätzen das flexible Angebot, das ihnen ein individuelles Lerntempo zugesteht. Sie fühlen sich durch die selbstbestimmte Themenwahl motivierter und besser gefördert. Zusätzlich motiviert auch die Möglichkeit, mit anderen Kindern in einer Kleingruppe an einem Thema zu arbeiten. Überraschendes Fazit dieser positiven Beurteilung: Schülerinnen und Schüler der Primarstufe wünschen sich, dass das Angebot der persönlichen Lernzeit sogar noch ausgebaut wird – sie also mehr «Hausaufgaben der neuen Art» haben möchten!
Auch in der Beurteilung durch die Eltern schneidet das Lernzeiten-Modell sehr gut ab. Sie erachten das Angebot als ausreichend und die Unterstützung durch die Lehrperson als gewinnbringend. Ausserdem fühlen sie sich durch den Wegfall der Hausaufgaben zuhause entlastet.
In der Umfrage für die Lehrpersonen wurden folgende positive Entwicklungen aufgrund des Modellwechsels genannt:
- Zuwachs an Selbständigkeit
- Zuwachs von kooperativen Umgangsformen
- Zuwachs an Selbsteinschätzung/Selbstreflexion
- Zuwachs von Eigenverantwortung
- Zuwachs an Motivation
Die Lehrpersonen schätzen es, durch die täglichen Lernzeiten die Möglichkeit zu gewinnen, Schülerinnen und Schüler individuell zu unterstützen und mit ihnen regelmässig Stoff zu repetieren.
Optimierungen umsetzen
Das Modell der Lernzeiten und persönlichen Lernzeit steckt noch in den Kinderschuhen und soll verbessert werden. Dank der Evaluation kristallisierten sich folgende Baustellen heraus:
- Der Austausch im Dreieck Eltern-Kind-Lehrperson soll ausgebaut werden. Einige Eltern kritisierten, dass sie nun weniger bzw. zu wenig Einsicht in den Schulalltag ihres Kindes hätten.
- Die unterschiedliche Umsetzung je nach Schulhaus und Schulstufe führt zu Verwirrung. Das Modell soll in ganz Kriens vereinheitlicht werden.
- Die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf während den Lernzeiten soll verbessert werden. Nicht alle Kinder können gleich gut selbständig lernen und arbeiten, dafür braucht es genügend Lehrpersonen, die vor Ort unterstützen können.